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Taunus-Zeitung vom 05.01.2022

Interview des 1. Vorsitzenden des Vereins, Wolfgang Riedel, mit Stefan Jung von der Taunus-Zeitung

Herr Riedel, eine große Jubiläumsfeier auf die Beine zu stellen, ist schon in "normalen Zeiten" eine Herausforderung. Nun sind die aktuellen Zeiten Corona-bedingt alles andere als normal. Und dennoch feilt ihr Förderkreis an einem beachtlichen Programm, um das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Le Cannet zu feiern. Haben Sie nicht Sorge, dass all die Arbeit für die Katz sein könnte?

Wenn wir in den vergangenen zwei Jahren eines lernen mussten, dann, dass man mit Blick auf Corona nichts ausschließen kann. Dessen sind wir uns im Förderkreis sehr wohl bewusst und entsprechend bereit, flexibel zu reagieren - so wie bei unserem eigentlich für den 9. Januar geplanten Neujahrsempfang.

"Eigentlich geplant" heißt?

Dass wir Corona-bedingt aus dem Neujahrs- jetzt einen Frühjahrsempfang machen. Am 6. März wollen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern, Freunden und allen Königsteinern und Königsteinerinnen offiziell in unser Jubiläumsjahr starten.

Gehen Sie davon aus, dass im März die nächste Covid-Welle gemeistert sein wird?

Wer kann heute schon verlässlich sagen, wie die Lage im März, im Juni oder an unserem Festwochenende im September sein wird? Das Jahr ist lang und die Hoffnung bei uns wie bei so vielen anderen groß, dass die Pandemie in den kommenden Monaten abflaut, vielleicht sogar zu einem Ende kommt. Die Frage ist doch, ob wir dem Virus schon quasi im vorauseilenden Gehorsam alles opfern und absagen sollen, was uns am Herzen liegt.

Und wie lautet Ihre Antwort?

Für uns im Förderkreis ist die Antwort klar: Wir wollen versuchen, dieses schöne Jubiläum in einem möglichst würdigen Rahmen zu feiern. Deshalb sind wir ja auch schon vergleichsweise früh in die Planungen eingestiegen. Und wenn dann eine Veranstaltung doch ausfallen oder verschoben werden muss - dann ist das so.

Sie sprachen eben von einer Herzensangelegenheit - ist die Partnerschaft mit Le Cannet das auch persönlich für Sie?

Ich kann ohne Umschweife sagen, dass die Städtepartnerschaft mein Leben geprägt hat. So feiere auch ich im September mein persönliches Städtepartnerschaftsjubiläum. Ich bin ja quasi ein "Kind" dieser Verbindung, war schon dabei als sie noch gar nicht offiziell besiegelt war.

Wie das?

Ich war einer der Königsteiner Teilnehmer am ersten Jugendaustausch zwischen beiden Städten. Das war an Ostern 1972. Der Verschwisterungsvertrag wurde erst am 23. September 1972 von den damaligen Bürgermeistern Antonius Weber und Gaston Ducros unterzeichnet. Damals wurde ich auch schon in das Komitee gewählt, 1978 dann in den Vorstand des Vereins als stellvertretender Vorsitzender und seit 2015 leite ich den Förderkreis als Vorsitzender.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit diesen Anfangsjahren?

Nur schöne (lacht). Ich denke, alle, die gerade bei den ersten Jugendaustausch-Programmen dabei waren, dürften noch immer begeistert davon erzählen, wie wir mit Bus oder Bahn stundenlang mit großer Erwartungshaltung und viel Spaß nach Le Cannet unterwegs waren. Junge Leute von heute werden das kaum nachvollziehen können - aber für uns war das damals noch keinesfalls selbstverständlich, mal eben nach Frankreich zu fahren. Das war für uns unbekanntes Terrain, eine andere Kultur, ein anderes Leben und irgendwie auch ein Abenteuer. Wie überhaupt das ganze Zustandekommen der Partnerschaft schon irgendwie abenteuerlich war.

Wie das?

Die Anbahnung der Verschwisterung erfolgte damals ja nicht über offizielle Kanäle. Es waren drei Königsteiner Jungs - Hans-Günther Brüske, Bernhard Grosse und Berthold Schmidt - die Anfang der 1970er-Jahre einfach nach Südfrankreich gefahren sind, um nach einer Partnerstadt für Königstein Ausschau zu halten. Fündig wurden sie in Le Cannet. Der Rest ist Geschichte - eine lange und erfolgreiche noch dazu.

Woran machen Sie den Erfolg fest?

Zum einen natürlich daran, dass es uns und die Städtepartnerschaft auch nach 50 Jahren noch gibt. Zum anderen und vor allem jedoch an der Selbstverständlichkeit, mit der Königsteiner und Cannetaner im Besonderen, aber auch Deutsche und Franzosen heute im Allgemeinen miteinander umgehen. Wenn man sieht, woher diese beiden Nationen kommen, wie belastet ihr Verhältnis über Jahrhunderte hinweg war, dann kann man das heute selbstverständliche und freundschaftliche Miteinander gar nicht hoch genug bewerten. Eine Entwicklung, an der die über 2300 deutsch-französischen Städtepartnerschaften einen erheblichen Anteil haben.

Inwiefern?

Ich denke, die Genese unserer Freundschaft mit Le Cannet ist dafür das beste Beispiel. Staats- und Stadtoberhäupter können Partnerschaftsverträge unterzeichnen. Wenn sich aber nicht immer wieder Menschen finden, die auf beiden Seiten bereit sind, die Verträge kontinuierlich mit Leben zu füllen, dann werden diese Projekte irgendwann zum Scheitern verurteilt sein.

Spricht die Tatsache, dass die Partnerschaft seit 50 Jahren Bestand hat, dafür, dass sich diese Menschen in Königstein und Le Cannet noch finden lassen?

Ja, auf jeden Fall. Kontinuität und Herzblut sind entscheidende Elemente unserer Arbeit. Das zeigt sich auch in der Vereinsführung. Mit Altbürgermeister Ehrenfried Wilke und Hans-Günther Brüske, die den Förderkreis durch die Anfangsjahre gebracht haben, hatte der Förderkreis mit Gerhard Strabel (1975 bis 1986), Dr. Reinhard Siepenkort (1987 bis 2015) und mir, seit 2015, nur fünf Vorsitzende. Ähnlich lange dabei sind viele unserer rund 250 Mitglieder. Das spricht für die enge Bindung, die über die Jahre gewachsen ist.

Alleine mit bewährten Kräften wird sich die Zukunft der Partnerschaft aber nicht sichern lassen . . .

Das stimmt. Wir sind immer bemüht, jüngere Kräfte für die Arbeit im Förderkreis zu gewinnen. Das ist nicht immer einfach in Zeiten, in denen diese freundschaftliche Verbindung für viele eben längst ganz alltäglich geworden ist. Umso mehr freuen wir uns, dass es auch über die guten Kontakte zu anderen Vereinen, ich denke da besonders an den Burgverein, die Plaschis und die Singgemeinschaft, zuletzt doch gelungen ist, einige neue Mitglieder einzubinden.

"Einbinden" klingt schwierig in Zeiten, in denen es doch eigentlich angezeigt ist, zu einander auf Distanz zu gehen . . .

Da ist was dran. Für das Leben und die Pflege von Freundschaft ist natürlich immer der persönliche Kontakt, die Nähe zu einander entscheidend. Die herzustellen und zu halten ist in Zeiten einer Pandemie natürlich alles andere als einfach. Letztlich mussten auch wir unser Veranstaltungsprogramm jetzt zwei Jahre in Folge auf ein Minimum zusammenkürzen. Dennoch denke ich, dass es uns ganz gut gelungen ist, möglichst nah dran zu bleiben.

Wie das?

Indem wir uns bemüht haben, den Kontakt nie abreißen zu lassen - weder zu den Mitgliedern noch zu unseren Freunden in Le Cannet. Zum Glück geben uns Handy, E-Mail-Newsletter, WhatsApp und Co. dazu heute virtuelle Möglichkeiten, von denen wir vor 50 Jahren nicht zu träumen gewagt hätten (lacht).

Allerdings kann ein virtueller Kontakt keine persönliche Verbindung ersetzen . . .

Das ist absolut richtig. Deshalb haben wir auch versucht, wann immer es die Corona-Lage zuließ, unseren Mitgliedern ein Angebot zu machen, bei dem sie sich im erlaubten Rahmen begegnen konnten. Die gemeinsamen Touren, die Heinz Alter als Kopf unseres Wanderteams organisiert hat, unser "Lavendelfest to go" oder auch unsere traditionelle Wein- und Olivenprobe waren doch für viele eine sehr willkommene Abwechslung.

Von einigen Vereinen war zuletzt zu hören, dass die lange Corona bedingte Zwangspause sich auch negativ auf die Zahl der Mitglieder ausgewirkt hat. Wie ist da der Stand beim Förderkreis?

Zum Glück unverändert. Wir haben in den zurückliegenden 22 Monaten nicht eine - sagen wir "betriebsbedingte" - Kündigung verzeichnen müssen. Für diese Verbundenheit mit unserer Sache sind wir in Vorstand und Komitee sehr dankbar, zeigt sie uns doch, dass wir gemeinsam auf dem richtigen Weg sind. Das spricht auch für das gute Binnenklima bei uns.

Inwiefern?

Das Schöne an unserer Vereinsarbeit ist, dass alle mitziehen. Zwar gibt der Vorstand die Richtung vor, aber die Umsetzung liegt dann schon in vielen Händen. Darüber kann ich mich als Vorsitzender ausgesprochen glücklich schätzen.

Wie sieht das auf französischer Seite aus?

Ich denke ganz ähnlich. Das ist zumindest mein Eindruck. Es muss, wie in allen Vereinen, immer ein paar Leute geben, die vorneweg gehen und die anderen mitnehmen - manchmal auch grenzübergreifend (lacht).

"Grenzübergreifend" - was hat man sich darunter vorzustellen?

In den vergangenen Monaten, in denen die Reiseauflagen hoch und die Möglichkeiten sich zu treffen limitiert waren, war schon zu beobachten, dass sich der Fokus bei unseren französischen Freunden doch verstärkt auf das Geschehen im eigenen Land richtete. Da kam es auch mal vor, dass wir zwei Monate kein "Lebenszeichen" aus Le Cannet bekamen. Umso mehr war es uns Königsteinern ein Anliegen, den Kontakt zu halten. Gerade auch vor dem Hintergrund der anstehenden 50-Jahr-Feier im Taunus.

Ist man denn in Le Cannet schon in Feierlaune?

Von unserem letzten Besuch im November, als wir mit einer Delegation unseres Vorstands an der Hauptversammlung unseres Partnervereins teilnahmen, haben wir auf jeden Fall das gute Gefühl mitgenommen, dass sich auch unsere Freunde auf ein Wiedersehen nach viel zu langer Pause freuen.

Können Sie schon absehen, wie viele Cannetaner im September nach Königstein kommen werden?

Wir wünschen uns natürlich, dass es möglichst viele sein werden. Ganz besonders hoffen wir, dass wir unseren Freund und Königsteiner Ehrenbürger Gaston Fischesser dann wieder mit seiner Frau Jaqueline im Taunus begrüßen können. Leider haben wir uns aus gesundheitlichen Gründen bei unserem letzten Besuch in Le Cannet nicht treffen können. Wie groß die Delegation aus Frankreich am Ende sein wird, können wir um jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Corona-bedingt?

Auch . . .

"Auch"?

Während wir Deutschen schon am liebsten ein Jahr im Voraus alles planen, geraten Franzosen erst kurz vor dem eigentlichen Termin in echte Feierlaune, dann aber so richtig (lacht). Diese Erfahrung haben wir immer wieder machen dürfen. Hier unterscheiden sich die Mentalitäten dann eben immer noch. Und das macht ja die deutsch-französische Freundschaft auch so spannend und so wertvoll - heute wie vor 50 Jahren. Stefan Jung

So Corona es zulässt, werden die Königsteiner 2022 reichlich Gelegenheit bekommen, das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Le-Cannet-Rocheville zu feiern. 14 ganz unterschiedliche Punkte (siehe Box) weist das Veranstaltungsprogramm aus, das die Verantwortlichen des Förderkreises für 2022 aufgelegt haben. Und nicht nur das.

Nachdem das Vereinslogo bereits zum Jahreswechsel an das Jubiläum angepasst wurde, soll voraussichtlich schon Ende Januar zudem eine Festschrift erscheinen, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Verbindung zwischen beiden Städten in den Blick gerückt werden.

Froh und dankbar sind Vereinschef Wolfgang Riedel und seine Vorstandskollegen, dass ihnen bereits vonseiten der Stadt wie auch von Königsteiner Vereinen breite Unterstützung signalisiert wurde. Riedel: "Wir können als Verein - vor allem am Festwochenende - nicht alles allein stemmen." Zwar trage der Förderkreis die Partnerschaft als ausführendes Organ sehr gerne. Gelebt und gepflegt werden müsse sie jedoch von der ganzen Stadt.

Dass diese Pflege der deutsch-französischen Freundschaft auch über die Grenzen der Kurstadt hinaus von Bedeutung ist - das lässt sich daran ablesen, dass Hessens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Lucia Puttrich die Schirmherrschaft für das Jubiläumsjahr übernommen hat.

Neben der moralischen wird auch die finanzielle Unterstützung eine wichtige Rolle spielen. Obschon der Verein - wie auch schon bei vorangegangenen Jubiläen - einen maßgeblichen Teil der Mitgliedsbeiträge und der städtischen Förderung zur Seite gelegt hat, um damit die Veranstaltungen zu bestreiten, wird das nicht reichen.

Hier kommt eine Zuwendung des Deutsch-französischen Bürgerfonds gerade recht.

Der Fonds hat es sich zum Ziel gesetzt, alle zu fördern, "die sich aktiv für eine starke europäische Zivilgesellschaft einsetzen". Das gilt vor allem für deutsch-französische Projekte, die die Menschen einander näherbringen und Begegnungen über Generationen und Grenzen hinweg ermöglichen. Damit sich Deutsche und Franzosen in möglichst großer Zahl in Königstein treffen können, haben die Gastgeber den Termin für das Festwochenende bewusst in den September gelegt. Schließlich steht das erste Halbjahr bei den Nachbarn ganz im Zeichen der großen Politik. Die Parlaments- und die Präsidentschaftswahlen stehen an.

Danach kann es in die Sommerferien und im Anschluss möglichst gut erholt und vielleicht auch Pandemie befreit in den Taunus gehen. sj

Frühlingsempfang zum Start, Festwochenende als Höhepunkt

Vom Vortrag bis zum Fußballspiel reicht das Spektrum des Programms, das der Förderkreis der Städtepartnerschaft für 2022 vorbereitet hat. Hier ein Überblick:

6. März, 11 Uhr, Frühlingsempfang im Großen Saal des HdB, unter Mitwirkung der Singgemeinschaft 1860/1893 Königstein;

3. April, 10.30 Uhr: Filmmatinee im Kronberger Kino zusammen mit dem Partnerschaftsverein Kronberg - Le Lavandou. Gezeigt wird der Film "A la Carte";

8. April, 19.30 Uhr, Mitgliederversammlung im Großen Saal des HdB. Gastvortrag von Fredo Endres zum Thema: "Quo vadis, Europa?

11. Mai, 20 Uhr, Volksbank Königstein, Vortrag von Christophe Braouet, Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft, zum "Werdegang der deutsch-französischen Freundschaft";

25. bis 29.Mai, Teilnahme der U15 Jugendmannschaft des ESCR Le Cannet an einem Fußballjugend-Turnier in Königstein;

5. bis 12. Juni, Deutsche-Französische Wanderwoche in Mutters/Tirol;

10. Juli, 12 bis 15.00 Uhr Lavendelfest am Le Cannet-Brunnen in der Limburger Straße

17. Juli, Teilnahme am Burgfestumzug;

8. bis 12. September, Großes Festwochenende in Königstein. Das Programm befindet sich noch in der Feinabstimmung. Ins Auge gefasst sind bereits ein Tagesausflug nach Würzburg sowie ein offizieller Empfang im Haus der Begegnung mit anschließendem Festabend, zu dem auch die Cannetaner Academi doù Miejour und die Jazz-Band erwartet werden;

15. Oktober, 18 Uhr Chanson Abend mit Barbara Kramer;

18. November, Wein-, Käse und Olivenprobe. sj

 

Quellenangabe: Taunus Zeitung vom 05.01.2022, Seite 14

 

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